Alpinmagazin

Klettersteige - Tipps und Infos

Klettersteig-Spezial - Die Erfolgsgeschichte der Via Ferrata. Hier finden Sie Tipps zur Klettertechnik, Historisches, Ausrüstungshinweise sowie Infos zur Schwierigkeitsbewertung von Klettersteigen.

Klettersteig gehen boomt - nicht nur am Gardaseezoom

Klettersteiggehen boomt wie nie zuvor. Kein Wunder, denn bei dieser Bergsportdisziplin kombiniert man wie sonst nirgends Naturerlebnis, Klettern, ein wenig Abenteuer-Feeling bei stark begrenztem Risiko. Vor allem letzteres dürfte dazu beitragen, dass Klettersteige so angesagt sind. Doch begrenztes Risiko heißt nicht „kein Risiko“. Fehler können überall passieren und ein Sturz am Klettersteig ist trotz Stahlseilsicherung oft verletzungsträchtiger und damit gefährlicher als bei einer gut gesicherten Sportkletterroute. Daher ist es durchaus angebracht, bevor man mit dem Klettersteiggehen anfängt, einen Kurs zu belegen oder sich zumindest von einem erfahrenen Kletterer einweisen zu lassen. Kurse werden sowohl von den Alpenvereinen wie auch von Alpinschulen und Bergführern angeboten. 
Klettersteige in unserem Tourenarchiv.

Ein Klettersteig ist laut Wikipedia: „… ein mit Eisenleitern, Eisenstiften, Klammern (als Trittstufen) und (Stahl-)Seilen gesicherter (versicherter) Kletterweg am natürlichen oder künstlichen Fels.“

Am Marmolata Klettersteigzoom

Zur Geschichte der Klettersteige - Hilfsmittel gab es schon zu Urzeiten, um die Verbindungswege in den Alpen - zum Beispiel von Alm zu Alm - gangbar zu machen. Früher waren diese Hilfsmittel jedoch nicht aus Eisen, sondern in der Regel aus Holz. Vor allem Leitern kamen hier zum Einsatz, ein Seil zur Sicherung war dagegen nicht üblich. Doch bereits Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die ersten Klettersteige aus touristischen Gründen gebaut.

Im Jahr 1843 wurde unter der Leitung des Wiener Professors für Geografie, Friedrich Simony , der Dachstein mit Eisenstiften, Klammern, gemeißelten Tritten und einem Schiffstau erschlossen. Dieser Bau gilt als der erste richtige Klettersteig der Alpen. Es folgten Seilsicherungen am Großglockner (Österreichs höchster Berg) und ein Klettersteig auf die Zugspitze (Deutschlands höchster Gipfel). Hinzu kam in Deutschland der Heilbronner Weg und der Marmolata-Klettersteig in den Dolomiten.

Ein typischer Kriegssteig - der Toblinger Knotenzoom

Wie wild gebaut wurde dann im 1. Weltkrieg. Aus rein militärischen Gründen, um Soldaten zu postieren, um Stellungen einzurichten und mit Nachschub zu versorgen, wurden in Südtirol und Slowenien Steiganlagen gebaut, die heute touristisch genutzt werden und sehr beliebt sind. Ein ganz typischer Vertreter ist zum Beispiel der Toblinger Knoten Klettersteig.

Heute entstehen aus touristischen Gründen immer neue Klettersteige, was natürlich auch zu Kritik führt. Vor allem wenn traditionelle Kletterrouten einer Via Ferrata weichen müssen oder Naturschutz- oder Sicherheitsbelange betroffen sind, gibt es zu Recht Diskussionen.

Der Hausbachfall Klettersteig ist TÜV-geprüftzoom

Daher wurde in den vergangen Jahren von den Erbauern immer mehr von vornherein auf diese Fragen geachtet. Bereits im Vorfeld wurden z.B. Umweltgutachten und Expertenmeinungen eingeholt. Auch erste TÜV-geprüfte Klettersteige gibt es bereits. Gute Beispiele dafür sind der Stafflacher Wand Klettersteig bei St. Jodok am Brenner oder auch der Hausbachfall Klettersteig in Reit im Winkl. Letzterer wurde durch eine bereits erschlossene Schlucht gebaut und ist der erste TÜV-geprüfte Klettersteig Deutschlands.

Klettern überm Wasserfallzoom

Dieser Klettersteig in den Chiemgauer Alpen gibt jedoch auch einen anderen Trend vor. Klettersteige sollen dem Begeher ein landschaftlich spektakuläres Erlebnis bieten und das ohne langen Zustieg. Oft führen die Routen daher heute entlang von beeindruckenden Wasserfällen oder bieten atemberaubende Tiefblicke. Weitere Beispiel hierfür sind der Stuibenfall Klettersteig im Ötztal und der Dalfazer Wasserfall Klettersteig am Achensee.

Kleinere Kinder immer zusätzlich sichernzoom

Ein weiterer Trend ist das Klettersteiggehen mit der ganzen Familie. Doch Achtung, die Klettersteig-Sets, die Bremsen, sind für das Gewicht eines Erwachsenen ausgelegt und bieten daher für leichtgewichtige Kinder nicht ausreichend Schutz. Daher sollte man Kinder nur nachsteigen lassen und immer zusätzlich von oben mit einem Seil sichern.

Bei der Ausrüstung sind Helm, Klettergurt, Klettersteig-Set (Bremse) und Handschuhe Standard. Auch spezielle Schuhe für Klettersteige wurden von diversen Herstellern entwickelt. Eine Klettersteig Packliste finden Sie bei unserem Partnershop Bergzeit.

Für die Schwierigkeitsbewertung der Klettersteige hat sich in der Literatur vor allem die Österreichische Skala von A (wenig schwierig) bis E (extrem schwierig) etabliert. Hier die einzelnen Stufen mit der jeweiligen Erklärung:

A - wenig schwierig, bzw. einfach

Gelände: Sehr unterschiedlich steil, überwiegend felsig oder zumindest felsdurchsetzt, bereits hier sind ausgesetzte Passagen möglich. Eine Begehung ohne Klettersteigausrüstung ist hier von wirklich Geübten noch möglich.

Sicherung: Drahtseile, Ketten, Eisenklammern (sog. Krampen) und -stifte sowie Leitern

Voraussetzungen: Trittsicherheit und Schwindelfreiheit

B - mäßig schwierig

Gelände: Überwiegend steileres Felsgelände, meist sind noch gute Tritte vorhanden, ausgesetzte Stellen sind bereits die Regel

Sicherung: Drahtseile, Ketten, Eisenklammern und -stifte, Leitern und Brücken

Voraussetzung: Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sowie etwas Armkraft und allgemeine Ausdauer erforderlich

C - schwierig und schon etwas anstrengender

Gelände: Hier beginnt das richtige Klettersteiggehen. Man bewegt sich nun überwiegend in steilem bis sehr steilem, häufig auch ausgesetztem Felsgelände. Manche Stellen sind abdrängend und erfordern Armkraft sowie ein Minimum an Klettertechnik. Die Tritte werden kleiner, teilweise muss man auch auf Reibung gehen.

Sicherung: Drahtseile, Eisenklammern und -stifte, oft längere und manchmal überhängende Leitern, sehr luftige Seilbrücken; an den einfacheren Stellen findet man häufig keine Tritthilfen, sondern nur noch ein Drahtseil.

Voraussetzung: Kraft, Kondition und etwas Klettertechnik erforderlich

D - sehr schwierig, anstrengend

Gelände: Sehr ausgesetzte, überwiegend senkrechte, oft auch überhängende Felspassagen sowie ungesicherte Stellen bis zum II. Schwierigkeitsgrad

Sicherung: Die Tritthilfen liegen nun oft weit auseinander, so dass man häufig nur das Drahtseil zur Verfügung hat. Auch ungesicherte Passagen.

Voraussetzung: Wirklich gute Armkraft und Kondition sind hier erforderlich, denn es müssen oft längere kraftraubende, auch überhängende Passagen bewältigt werden.

E - extrem schwierig und äußerst kraftraubend

Gelände: Sehr kraftraubende, durchwsegs senkrechte bis überhängende, sehr ausgesetzte Felspassagen mit nur noch sehr kleinen Tritten oder sogar nur noch glatter Wand.

Sicherung: Die Tritthilfen liegen nun oft weit auseinander, so dass man häufig nur das Drahtseil zur Verfügung hat. Auch ungesicherte Passagen.

Voraussetzung: Hervoragende Armkraft und Kondition sowie eine gute Klettertechnik erforderlich

Leider konnte man sich bisher nicht - wie beispielsweise bei den Lawinenwarnstufen - länderübergreifend auf ein Bewertungssystem für Klettersteige einigen. Vom DAV gibt es einen sehr guten Überblick (siehe PDF) bezüglich der Schwierigkeitsstufen; dabei ist es möglich die System miteinander zu vergleichen.

Ein paar Tipps und Hinweise für den Klettersteig:

  • Tour sorgfältig planen
  • Sich nicht überfordern und sich nur langsam an höhere Anforderungen herantasten
  • Partnercheck am Einstieg (sind Gurt und Bremse richtig angelegt?)
  • Ausreichend Abstand zu anderen Kletterern (es könnte ja auch mal einer stürzen!)
  • Achtsames Gehen und Klettern - Steinschlag verhindern!
  • Nie bei Gewitterneigung einsteigen
  • Technik Tipp: Arme lang machen, das spart Kraft
  • Technik Tipp: An glatten trittarmen Stellen auf Reibung gehen. Das heißt, das Gewicht so verlagern, dass man Druck auf die Fußsohlen bekommt.

Weitere Klettersteige finden Sie in unserem Tourenarchiv.

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