Von den Alpen nach Galicien: Wie man auf dem Camino Francés in Spanien neue Bergerlebnisse entdeckt
29. Dez 2025
Wer jahrelang die Gipfel der Alpen erobert hat, kennt das Gefühl: Die Sehnsucht nach neuen Horizonten. Der Jakobsweg von León bis O Cebreiro bietet genau diese Möglichkeit – eine Pilgerwanderung, die körperliche Anstrengung mit kultureller Tiefe verbindet.
Der Camino Francés zwischen León und O Cebreiro bietet Alpenwanderern die perfekte Mischung
Alpen vs. Camino Francés: Zwei Welten, eine Leidenschaft
Die technischen Anforderungen auf diesem Abschnitt des Jakobswegs sind deutlich geringer als in den Alpen – etwa im Vergleich zu Touren im Berner Oberland oder den Dolomiten. Keine Gletscherquerungen, keine ausgesetzten Grate. Stattdessen gut markierte Pilgerpfade durch verschiedenste Landschaften: von der kastilischen Hochebene über fruchtbare Flusstäler bis in die nebelverhangenen Berge Galiciens. Die Infrastruktur ist ausgezeichnet – entlang der Route findest du Pilgerherbergen, Verpflegungsmöglichkeiten und eine lebendige Gemeinschaft.
Die Landschaft tauscht schroffe Felswände gegen sanftere, aber eindrucksvolle Panoramen: goldene Getreidefelder bis zum Horizont, mittelalterliche Dörfer aus Stein und schließlich die grünen, mystischen Höhenzüge der Ancares-Berge.
Die Route im Fokus: Von León nach O Cebreiro
Die sechs Etappen zwischen León und O Cebreiro gehören zu den abwechslungsreichsten Abschnitten des gesamten Camino Francés. Detaillierte Informationen zur Routenplanung und den einzelnen Tagesetappen finden Sie hier.
Die wichtigsten Highlights
León (Tag 1): Die gotische Kathedrale mit ihren spektakulären Glasfenstern – als die schönsten Europas gerühmt – die romanischen Fresken von San Isidoro und Gaudís Casa de Botines bilden den Auftakt.
Durch die Páramo-Ebene (Tag 2-3): 48 Kilometer durch weite Getreidefelder nach Astorga, wo römisches Erbe auf Gaudís Bischofspalast trifft. Der maragatoische Eintopf ist hier Legende.
Aufstieg zum Cruz Ferro (Tag 4-5): Ab Rabanal del Camino beginnt der Anstieg durch die Berge von León. Auf 1.505 Metern liegt der Cruz Ferro – ein emotionaler Ort, an dem Pilger seit Jahrhunderten Steine ablegen. Der steile Abstieg führt ins grüne Bierzo-Tal mit seinen Weinbergen und Kirschbäumen.
Ponferrada und Villafranca (Tag 6): Die Templerburg von Ponferrada und die engen Gassen von Villafranca del Bierzo mit exzellenten Weinen und lokaler Gastronomie – Würste, Pasteten und Forellen.
Der Königsanstieg nach O Cebreiro (Tag 7): 28 Kilometer und über 600 Höhenmeter. Einer der längsten Anstiege auf dem gesamten Jakobsweg nach Santiago. Auf 1.293 Metern Höhe erwarten dich die traditionellen Pallozas – prähistorische Rundhütten mit Strohdächern – inmitten der Sierra de Os Ancares. Ein magischer Ort voller Mystik.
Vorteile für Alpenwanderer
Weniger Massentourismus: Im Vergleich zu den stark frequentierten Abschnitten ab Sarria ist diese Strecke deutlich ruhiger. Echte Begegnungen mit Einheimischen und authentische Pilgeratmosphäre. Anspruchsvolles Höhenprofil: Die kumulative Höhendifferenz über sechs Etappen ist beachtlich.
Besonders der finale Anstieg nach O Cebreiro fordert Ausdauer und mentale Stärke – für gut trainierte Berggeher aber absolut machbar.
Einzigartige Kombination: Morgens eine gotische Kathedrale besichtigen, nachmittags einen Bergpass überwinden. Die mehrtägige Pilgerreise eröffnet jeden Tag neue Perspektiven und verbindet Menschen aus aller Welt – Freundschaften über Etappen hinweg und ein Gefühl der Verbundenheit.
Praktische Tipps & Vorbereitung
Beste Jahreszeit: Mai bis Juni und September bis Oktober sind ideal. Im Hochsommer wird die kastilische Meseta extrem heiß, Wintermonate bieten weniger Infrastruktur. Frühjahr und Herbst zeigen die Landschaft in ihren schönsten Farben.
Ausrüstung: Gute, eingelaufene Wanderschuhe (Blasen sind der häufigste Feind), leichter Rucksack (maximal 10% des Körpergewichts), wetterangepasste Kleidung, Kopfbedeckung und Sonnenschutz. Ein Wanderstock entlastet die Kniegelenke beim Abstieg und Aufstieg. Keine technische Ausrüstung nötig.
Etappenplanung: Die sechs Etappen sind für geübte Wanderer gut machbar, einige mit über 30 Kilometern durchaus fordernd. Etappen können verkürzt oder verlängert werden. Von Pilgerherbergen über Pensionen bis Hotels ist alles verfügbar. Vorreservierung in der Hochsaison empfohlen. Gepäcktransport von Unterkunft zu Unterkunft macht das Wandern erheblich angenehmer.
Fazit: Ein Camino für Bergliebhaber
Der Camino Francés zwischen León und O Cebreiro bietet Alpenwanderern die perfekte Mischung: körperliche Anstrengung ohne technische Schwierigkeiten, beeindruckende Landschaften und die einzigartige Gelegenheit, Wandern mit kultureller und spiritueller Tiefe zu verbinden.