Alpinmagazin

Trekking im Everestgebiet mit 6000er-Besteigung

Kategorie: Reise | tourentipp.com-Autor Manfred Wöll hat von seiner Nepal-Trekking-Tour im Everest-Gebiet mit 6000er-Besteigung einen spannenden Bericht mitgebracht.

Nepal: Trekking im Everest-Gebiet mit Besteigung des Island Peak (6189 m)

Expeditionsberichte gibt es en masse: Die Profi-Bergsteiger sind auf den höchsten Bergen der Welt meist mit enormer Medienbegleitung unterwegs - schon wegen der Sponsoren. Wir von tourentipp.com finden es für den Hobbybergsteiger viel interessanter, einmal den Bericht eines Normalbergsteigers zu lesen. Ein Bericht von Manfred Wöll.

Hillary Bridge auf dem Weg nach Namche Bazarzoom

„Nein, so etwas mach’ ich nicht mehr", dachte ich mir, als ich im August 2005 vom Gipfel des Kilimanjaro abstieg. Nicht, dass es nicht fantastisch schön gewesen wäre - doch, das war es! Aber am Tag des „Gipfelsturms" hab’ ich nach insgesamt 15 Stunden Gehen (inkl. 90 Minuten Pause) und 3.000 Höhenmetern Abstieg innerhalb eines Tages den Reiz des Höhenbergsteigens nicht mehr so recht erkennen wollen.

Die Trekkingwege sind meistens breit und gut angelegt.zoom

Gut vier Jahre später , im Oktober 2009, bin ich ganz heiß drauf, endlich nach Nepal zu fliegen und dort meinen ersten 6.000er zu „packen", den Island Peak. Start ist in Lukla (2800 m). Den Ort erreicht man nach 40-minütigem Flug von Kathmandu aus. Über Monjo gehen wir nach Namche Bazar (3400 m), dieser Ort ist das Handelszentrum in der Khumbu-Region. Hier kann man von der Stirnlampe über Goretex-Hosen und von Landkarten bis hin zu Rucksäcken alles kaufen, was der Bergsteiger so braucht - und natürlich jede Menge Souvenirs! Wir bleiben zunächst zwei Nächte in diesem netten Örtchen, und anschließend drei weitere Nächte (Thame, Khumjung, Phortse) auf einer Höhe von rund 3.800 m. Wir gewöhnen uns gut an diese Höhe. Die nächsten Schlafplätze: Pheriche (4200 m),  Lobuche (4900 m) und Gorak Shep (5.100 m). Von Gorak Shep aus besteigen wir den 5545 m hohen Kala Pattar. Ehrlich gesagt, ich hatte eigentlich einen stattlichen Berg erwartet. Stattdessen besteigen wir einen „Schotterhügel" – jedenfalls kommt einem dies angesichts der majestätischen Umgebung so vor. Der Rundblick vom Gipfel freilich ist atemberaubend: Mount Everest, Nuptse, Pumori – zum Greifen nah! Der Kala Pattar – selbst kein eindrucksvoller Gipfel, aber ein fantastischer Aussichtspunkt!

Ein gewaltiger Anblick - Die Ama Dablam (6856 m)zoom

Am nächsten Tag besuchen wir das Everest Base Camp (5300 m). Dieses Camp hab’ ich mir auch anders vorgestellt. Zum einen ist kein einziges Zelt zu sehen (Expeditionszeit ist im April/Mai; im Spätherbst wehen kalte Stürme im Gipfelbereich), zum anderen hatte ich einen ebeneren Platz erwartet. Das Base Camp ist auf einem von Schutt und Steinen bedeckten Gletscher mit vielen Verwerfungen. Auf Anhieb ist mir kein günstiger Platz für das Aufstellen eines Zeltes ins Auge gefallen…Blickfang ist der Khumbu Ice Fall – die erste großen Hürde für Bergsteiger, die sich auf den Weg zum Mount Everest machen.

Der Mount Everest (8848 m) vom Kala Pattar auszoom

Dann geht’s für uns wieder etwas bergab: Über Lobuche (4.900 m) und  Dingboche (4.400 m) gelangen wir nach Chhukung (4.700 m). Von dort aus besteigen wir den 5546 m hohen Chukung Ri. Diesen Gipfel fand ich eigentlich sogar etwas netter als den prominenteren Kala Pattar. Vom Chhukung Ri sieht man wunderbar in die Lhotse-Südwand und in der Ferne auf den Makalu. Mit Mount Everest, Lhotse, Makalu und Cho Oyu haben wir auf dieser Tour vier 8.000er gesehen – großartig!

Nette Pausestation zwischen Lobuche und Dingpochezoom

Unser persönliches Bergsteiger-Highlight steht aber noch bevor: Drei Stunden gehen wir von Chhukung ins Island-Peak-Base-Camp (5.100 m). Die Zeltnacht ist kurz, um 2 Uhr nachts marschieren wir los in Richtung Island Peak (6.189 m). 3 ½ Stunden lang geht’s steil bergauf durch öde Schotterlandschaft, hie und da werden mal die Hände gebraucht. Dann stehen wir am Beginn des Gletschers, gleichzeitig beginnt es zu dämmern. Zu siebt binden wir uns ins Seil, begehen den Gletscher noch vor allen anderen Seilschaften (der Vorsprung betrug gefühlte 2,3 Sekunden), nach einer halben Stunde stehen wir vor der Eiswand, die es zu überwinden gilt. Sie ist angesichts der Fixseile, die dort zuvor angebracht wurden, kein Problem, aber Respekt einflößend ist es schon, wenn man vor diesem gewaltigen, 45 bis 50 Grad steilen Aufschwung steht. Oh ja, die Luft ist dünn, während man sich Schritt für Schritt unter konzentriertem Einsatz der Frontzacken seiner Steigeisen nach oben kämpft. Rund 100 Höhenmeter sind zu überwinden, dann stehen wir auf dem schmalen Grat, der zum Höhepunkt dieser Reise führt. Schließlich stehen wir oben: Erschöpfung, Glücksgefühl, Wahnsinns-Aussicht. Am liebsten würde ich alles gleichzeitig machen: Fotografieren, filmen, anderen meine Gefühle mitteilen, essen, trinken, schauen….

Steilaufschwung zum Island Peak (6189 m)zoom

Um acht Uhr waren wir auf dem Gipfel , mittags erreichen wir wieder ziemlich kaputt das Base Camp. Eine Stunde im Schlafsack liegen, dann Tee, eine warme Suppe, dann geht’s wieder.  Am nächsten Tag beginnt praktisch der Heimweg. Über Tengboche und Namche Bazar geht’s in vier Tagen zurück nach Lukla, von wo aus wir wieder nach Kathmandu zurück fliegen.

Die letzten Meter auf dem Grat vor Erreichen des Island Peakzoom

Mein Fazit: Eine großartige Tour! Für jeden ambitionierten Hobby-Bergsteiger sind es unvergessliche Erlebnisse, den höchsten Bergen der Erde gegenüber zu stehen. Die hier beschriebene, insgesamt 25-tägige Reise habe ich im Oktober 2009 mit dem DAV Summit Club gemacht. Hervorragende Organisation, war alles bestens!

Fragen und Antworten: Hier haben wir die wichtigsten Fragen und Antworten zum Nepal-Trekking zusammengestellt.

Autor: Manfred Wöll

 
 

Aktuelles aus dem Bergjournal

  • 111 Almen und Hütten in Oberbayern, die man gesehen haben muss

    Der Tourentipp-Autorin Asrtrid Süßmuth ist hier ein ganz besonders schönes Buch gelungen. Man spürt ihre Liebe zu den Bayerischen Bergen und so finden sich in diesem eben auch liebevoll und gründlich recherchiert und gestalteten Ratgeber viele Tipps zu Almen und Hütten, die man einfach als Perlen bezeichnen muss.

  • Biwak am Berg

    Egal, ob nur mit Isomatte und Schlafsack oder mit einem Leichtzelt - ein Biwak in freier Natur ist ein großes Erlebnis, insbesondere auf einem Alpengipfel. Aber Achtung, nicht immer und überall ist das Biwakieren erlaubt. Hier ein paar Tipp und Hinweise zur rechtlichen Situation.

  • #SALEWA3000 - 3 Dreitausender von Mathias Leo

    Im Rahmen der Aktion #SALEWA3000 stellen wir euch Lieblings-Dreitausender in Österreich von namhaften Bergführern vor. Mathias Leo von der Bergsportschule „Kitzalps Guide“mit einer tollen Auswahl von leicht bis schwer.

  • #Salewa3000 - auf alle 3000er Österreichs

    Aktion verlängert - Mit SALEWA3000 startet die Südtiroler Bergsteigermarke ein außergewöhnliches Projekt, bei dem jeder Bergsportler mitmachen kann: 784 Dreitausender gibt es in den österreichischen Alpen – und der Bergsportausrüster möchte mit Athleten, Partnern, Kollegen und allen, die Lust sowie die Fähigkeit haben dabei zu sein, jeden einzelnen dieser Gipfel besteigen.

  • Alpen-Waldrebe (Clematis alpina)

    Während sie die meiste Zeit des Jahres über unauffällig an Büschen und Bäumen emporrankt, zieht die Alpen-Waldrebe zu ihrer Blütezeit mit ihren leuchtendvioletten Blütensternen viele bewundernde Blicke auf sich.

  • Wandern mit Kindern - Bergtouren mit Familie

    Urlaub im Inland wird großgeschrieben und das nicht nur in Corona-Zeiten. Das heißt aber auch, dass viele den klassischen Badeurlaub gegen einen Wanderurlaub tauschen. Wandern also mit der Familie, auf Tour mit Kindern – damit das gelingt, haben wir ein paar Tipps und Tourenempfehlungen für Sie zusammengestellt.

Meindl Shoes For Actives

Bild des Monats

052020
9efeacc4498206be6a8da33fed9ffcf6.jpg
Verewigt im Herz und am Berg

Benutzer: Gipfelblume74

Beschreibung: Das Gipfelkreuz der Aiplspitz in den Bayerischen Voralpen bei einer ganz besonderen Wolkenstimmung.
6f28954ef372432fc4aab7e67cc86854.jpg
Sehnsuchtsorte

Benutzer: Bergindianer

Beschreibung: Wer hätte gedacht, dass unsere Berge, unsere Sehnsuchtsorte nicht mehr erreichbar sind. Die Corona-Krise lässt uns im Augenblick nur von ihnen träumen. Hier Frühling im Defereggental.
95cd39fbdb7464d3c59bc428602130ea.jpg
Sundowner-Skitour

Benutzer: Schneefee

Beschreibung: Eine Sundowner-Skitour ist immer ein besonderes Erlebnis für Momenten-Sammler. Hier Rauhkopf am Spitzing im Abendlicht.
Zum Touren-Bild des Monats...
Bergsport- und Outdoorausrüstung sicher online kaufen im Outdoor-Shop bergzeit.de

tourentipp.com-Karten-Shop

Kartenshop

Wanderkarten sind ein unverzichtbarer Begleiter auf Tour. In unserem Kartenshop finden Sie eine komplette Liste aller Kompass Wanderkarten mit Bestellmöglichkeit. Selbstverständlich gibt es auch eine Auswahl an Alpenvereinskarten, an Topographischen Wanderkarten vom Bayerischen Landesvermessungsamt sowie alle Digitalen Karten von MagicMaps und Schweizer Landeskarten.

ORTOVOX Westalpen
 
 

tourentipp.com für Bergtouren, Skitouren, Klettersteige, Wandern und zum Bergsteigen

© 2020 tourentipp.com Alle Rechte vorbehalten