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Wunderschöne Schlechtwettertouren

Schlechtwettertouren können wunderschön sein
Schlechtwettertouren können wunderschön sein

Ist das nicht bereits in der Überschrift ein Widerspruch? Kann Regen- oder Schmuddelwetter tatsächlich schön sein? Und wie! Wer bei so einem Wetter achtsam in der Bergwelt unterwegs ist, wird von einer einzigartigen Stimmung eingefangen.

Man muss – wie gesagt - nur achtsam sein. Am besten langsam gehen und sich dabei Zeit nehmen zum Schauen, Riechen, Hören und Fühlen. Regenwetter sieht nicht nur anders aus, es riecht auch anders – moosig, nach feuchtem Holz oder nach Schwammerl. Und dann ist da das Geräusch von Regentropfen, das Spiel des Windes mit den Blättern des Waldes oder das Feeling, wenn einem der Graupel nadelartige ins Gesicht fährt. Wer es hier schafft still zu werden, wird all das mit seinen Sinnen wahrnehmen und dabei spüren wie stimmungsvoll und schön raues Wetter sein kann. Beschaulich, ja besinnlich ist so ein sinnliches nachhaltiges Erlebnis.

Total stimmungsvoll

Diese unvergleichliche Stimmung darf man meist in völliger Einsamkeit genießen, denn die meisten Menschen bleiben bei Schmuddelwetter zuhause und wissen gar nicht, was sie verpassen.

Damit man eine Schlechtwettertour wirklich genießen kann und auch aus Sicherheitsgründen, bedarf es aber unbedingt auch einer guten Ausrüstung. Nein, meine Berg-Halbschuhe bleiben heute definitiv im Schrank, für derartiges Wetter nehme ich meine richtigen Bergstiefel, die ich natürlich vorher imprägniert habe. Mütze und Handschuhe gehören ins Gepäck und für Notfälle eine Stirnlampe. Weil die Wege oft recht rutschig sind, nutze ich meine Wanderstöcke. Ich trage außerdem meine wasserabweisende Softshellhose, habe aber auch meine regendichte Überhose dabei, ebenso meinen Anorak.

All diese Dinge bieten mir nicht nur einen Schutz gegen Regen, Schneeregen oder Schnee, sie vermitteln mir auch in Sachen Umwelt und Gesundheit ein richtig gutes Gefühl. Ja, ich achte sehr darauf meine Klamotten nicht mit irgendeinem Giftzeugs zu imprägnieren. Ich nehme ausschließlich ein PFC-freies Mittel wie es beispielsweise Nikwax anbietet.

Zur Erklärung

PFCs sind perfluorierte oder polyfluorierte Chemikalien, die zur Imprägnierung von atmungsaktiver, wasserdichter Regenbekleidung verwendet werden, und das immer noch von vielen Outdoor-Herstellern, obwohl sie im Verdacht stehen Krebs zu erregen, und viel mehr darüber hinaus. Umweltpersistent sind sie obendrein, d.h. sie bauen sich nicht in der Natur ab, auch nicht in deinem Körper! Gut verständliche und ausführliche Infos dazu findet man beim Bundesumweltamt.

Es gibt aber sehr gute Alternativen

Wie ihr eure Bergsportbekleidung und Wanderschuhe umweltfreundlich pflegen und imprägnieren könnt, habe ich euch unten aufgelistet.

Imprägnieren und pflegen von Outdoorbekleidung

Werbung - Artikel enthält Produktempfehlung

Für die Imprägnierung von wasserdichter, atmungsaktiver Outdoorbekleidung empfehlen wir umweltfreundliche, PFC-freie Produkte. Sie schonen die Natur und die Gesundheit.

  • Für Regenjacken mit atmungsaktivem Innenfutter (z.B. Softshells) hat sich Nikwax TX.Direct Spray-On als sehr zuverlässig erwiesen. 
  • Zum Einwaschen der Imprägnierung (empfohlen für alle Jacken mit wasserdichter Membran oder PU-Beschichtung) verwenden wir Nikwax TX.Direct Wash-In.
  • Für Bergstiefel gibt es verschiedene auf das jeweilige Material optimal abgestimmte Schuhpflegemittel.
  • Wäsche und Pflege - Nur eine saubere Jacke kann optimal imprägniert werden und gegen Feuchtigkeit schützen. Daher empfehlen wir Nikwax Tech Wash zur Vorbereitung für die anschließende Imprägnierung mit TX.Direct. Unangenehmen Körpergeruch kann man übrigens bestens mit Nikwax BaseFresh beseitigen und geruchsbildende Bakterien bekämpfen.
Imprägnieren und pflegen von Outdoorbekleidung
Imprägnieren und pflegen von Outdoorbekleidung

Ausrüstung für Schlechtwettertag

Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Ausrüstung. Wer bei Sauwetter in den Bergen unterwegs ist, wird feststellen, dass dieser Spruch stimmt. Hier unsere Packliste:

  • Warme Kleidung in mehreren Schichten (Zwiebelprinzip)
  • Wechselwäsche: einen zweiten First Layer
  • Handschuhe, Mütze
  • Wasserdichter Anorak und Überhose
  • Evtl. Gamaschen (bei Neuschnee)
  • Evtl. Grödeln (bei Eis und Schnee)
  • Stirnlampe für Notfälle
  • Heißgetränk
  • Wanderstöcke
  • Wanderschuhe mit Imprägnierschutz

Bergwanderungen für Schlechtwettertage

Außerdem möchte ich euch ein paar Routen vorstellen, die ich selbst schon als Schlechtwettertour gemacht habe. Je nach Lust und Laune suche ich mir eine Tour mit oder ohne Einkehrmöglichkeit. Wobei letzteres schon einen gewissen Reiz hat, wenn man sich durch Kälte oder Sturm gekämpft hat, dann in einer gemütlichen warmen Hütte Zuflucht findet und bei einer heißen Suppe am Kachelofen wieder warm wird und rote Bäckchen bekommt.

In den Bayerischen Voralpen fällt mir spontan eine unglaublich stimmungsvolle Schlechtwettertour vom Spitzingssattel aufs Taubensteinhaus ein (wobei man den Taubenstein-Gipfel bei nassem Wetter besser auslässt!). Auch auf dem Jägerkamp via Schönfeldhütte bin ich schon an solchen Tagen gewesen. Außerdem ist die Neureuth am Tegernsee ein schönes Ziel mit Einkehrmöglichkeit.
Und selbst der sonst völlig überlaufene Normalweg zum Rotwandhaus ist an solchen Tagen sehr einsam. Geeignet ist auch die Wanderung zum Brauneck-Gipfelhaus, wobei man wegen der nahen Seilbahn auf mehr Menschen treffen wird. Die Seilbahn hat aber den Vorteil, dass man sich nach einer Einkehr den Rückweg erleichtern kann.

Tipp: Wer sich auf eine Einkehrmöglichkeit verlässt, sollte unbedingt vorher bei der jeweiligen Hütte anrufen und fragen, ob auch bei Schlechtwetter geöffnet ist.

Außerdem geeignet: Die Bodenschneid von Südwesten, der Rechelkopf im Isartal und der Jochberg am Walchensee.

Im Chiemgau durften der Laubenstein, der Schachenberg im Priental, oder bei Sachrang die Karspitze schon als Schlechtwetterziele herhalten.

In den Ammergauer Alpen findet man mit dem Aufacker bei Oberammergau oder den Höhenberg unweit von Garmisch-Partenkirchen geeignete Ziele.

Ok, das sind alles Standardtouren. Aber das wäre unabhängig von meinen Vorschlägen auch meine Empfehlung: Such dir eine Route aus, die du kennst, die vom Gelände her auch bei nassen, eisigen, rutschigen Verhältnissen gut für dich machbar ist. Eine Tour, bei der du keine Orientierungsprobleme hast, auch wenn die Sicht richtig schlecht ist oder der Weg wegen etwas Neuschnee nicht mehr erkennbar ist. Du wirst sehen, dass die Route gar nicht so entscheidend ist, wenn du achtsam in dieser wunderbaren Einsamkeit der Natur unterwegs bist. Dann kann dich auch eine Standardtour verzaubern und zu einem kleinen Abenteuer in der Natur werden.

Autor: Bernhard Ziegler - Bilder: Ziegler / Nikwax