Die alpinen Kräuter, an denen man auf der Nagelfluhkette achtlos vorbeigeht, und was man zu Hause damit anfangen kann

16. Okt 2026

Eine Wanderung entlang des Kamms der Nagelfluhkette im Allgäu fühlt sich an wie ein Spaziergang durch ein botanisches Freilichtmuseum. Das berühmte Konglomeratgestein unter den Wanderschuhen, oft Herrgottsbeton genannt, schafft einen einzigartigen, mineralstoffreichen Boden, auf dem wilde Pflanzen prächtig gedeihen.

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Bergkräuter
Bergkräuter

Wer vom Hochgrat hinüber zum Grat wandert, richtet den Blick leicht auf die fernen Gipfel der Schweizer Alpen oder auf die steilen Grashänge zu beiden Seiten. Doch wirft man einen Blick auf die Wegränder, entdeckt man Dutzende unscheinbarer grüner Blätter und winziger Blüten. Wanderer gehen jeden Tag achtlos an diesen duftenden Alpenpflanzen vorbei, ohne zu ahnen, worauf sie gerade treten.

Zu wissen, was unter den Füßen wächst, verändert das Erlebnis auf dem Weg. Hier ist ein Leitfaden zu den alpinen Kräutern, die entlang der Nagelfluhkette offen sichtbar wachsen, dazu, wie man sie sicher erkennt und was man zu Hause mit ihnen anfangen kann.

Feld-Thymian

Beim Gehen über die sonnigen, felsigen Grate überrascht einen vielleicht ein warmer Duft, der scheinbar aus dem Nichts kommt. Wer genau hinsieht, entdeckt niedrig wachsende Polster von wildem Thymian mit kleinen runden Blättern und hellrosa-violetten Blüten.

Verwendung zu Hause

  • Wilder Thymian enthält ein Vielfaches mehr an ätherischem Öl als kultivierter Gartenthymian, da er sich an die UV-Strahlung in der Höhe und an die nährstoffarmen Böden angepasst hat.
  • Bergtee: Einige kleine Zweige vom wilden Thymian an der Luft trocknen lassen. Für den Tee mehrere getrocknete Zweige fünf Minuten in kochendem Wasser ziehen lassen. So entsteht ein wärmender Tee, der einen kratzenden Hals beruhigt.
  • Kräuter-Aromatherapie: Getrocknete, zerkleinerte Blätter lassen sich auch für die thermische Diffusion zu Hause verwenden. Beim sanften Erhitzen mit einem Storz & Bickel Vaporizer werden die natürlichen ätherischen Öle wie Thymol und Carvacrol bei präzisen Temperaturen (etwa 130 °C bis 150 °C) freigesetzt, ohne das Pflanzenmaterial zu verbrennen, und es entsteht reiner, aromatischer Kräuterdampf.

Alpen-Frauenmantel (Silbermantel)

Der Frauenmantel wächst häufig in feuchten, grasigen Mulden in höheren Lagen entlang der Wege. Während der gewöhnliche Frauenmantel große, fächerförmige Blätter hat, erkennt man den Alpen-Frauenmantel (Alchemilla alpina) sofort an den schönen silbernen Härchen auf der Unterseite seiner gelappten Blätter. Wanderer, die in der Morgendämmerung unterwegs sind, können beobachten, wie reine, funkelnde Wassertropfen in der Mitte der trichterförmigen Blätter ruhen.

Verwendung zu Hause

  • Stärkende Aufgüsse: Der Frauenmantel ist seit Jahrhunderten fester Bestandteil der traditionellen Bergkräuterheilkunde. Die Blätter lassen sich flach trocknen und zu einem milden, leicht herben Kräutertee aufbrühen, der hervorragend zu einem Tropfen regionalem Waldhonig passt.
  • Wohltuendes Gesichtsdampfbad: Einfach eine viertel Tasse getrocknete Blätter der als Silbermantel bekannten Pflanze in die Schüssel mit dampfendem Wasser geben, ein Handtuch über den Kopf legen und entspannen, während der Dampf seine Wirkung auf der müden Haut entfaltet.

Schafgarbe

Die Wilde Schafgarbe wächst auf sonnigen Almweiden und an Wegen und besitzt gefiederte, farnähnliche Blätter sowie Doldenköpfe aus kleinen weißen oder zartrosa Blüten. Die Schafgarbe ist äußerst widerstandsfähig und treibt oft sofort wieder aus, nachdem Vieh oder Menschen darübergelaufen sind.

Verwendung zu Hause

  • Würzsalz: Schafgarbenblätter haben einen leicht bitteren, pfeffrigen Geschmack, der an Estragon erinnert. Frische, saubere junge Blätter vom Stängel streifen, fein hacken und mit grobem Meersalz vermengen. Die Mischung zwei Tage zum Trocknen ausbreiten und anschließend in einem luftdichten Glas aufbewahren, für einen einzigartig bitter-salzigen Abschluss auf dem Salat.
  • Entspannendes Fußbad: Eine Tasse getrocknete Schafgarbenblüten fünfzehn Minuten in heißem Wasser ziehen lassen, die Flüssigkeit in eine Schüssel mit warmem Wasser abseihen und die Füße nach einem langen Tag mit Abstiegen darin baden.

Wichtige Regeln für verantwortungsvolles Kräutersammeln in der Nagelfluhkette

Den Schutzstatus kennen
Die Nagelfluhkette ist ein Naturpark, der sich über die Grenze zwischen Bayern und Vorarlberg erstreckt. Bekannte alpine Heilpflanzen wie die Arnika (Arnica montana) und der Gelbe Enzian (Gentiana lutea) sind gesetzlich streng geschützt und dürfen unter keinen Umständen gepflückt oder ausgegraben werden. Man sollte sich ausschließlich an häufige, nicht geschützte Kräuter wie wilden Thymian oder Schafgarbe halten.

Die Handstraußregel beachten
An Orten ohne Beschränkungen ist es in Ordnung, kleine Mengen Pflanzenmaterial zu sammeln, die locker zwischen Daumen und Zeigefinger passen. Man sollte niemals das gesamte Pflanzenmaterial entnehmen; mindestens 80 % sollten zurückbleiben, da dies hilft, das Ökosystem zu erhalten und Bestäuber zu unterstützen.

Erst bestimmen, dann anfassen
Eine Pflanze sollte nur geerntet werden, wenn man sich zu 100 % über ihre Identität sicher ist. Viele harmlose Kräuter haben gefährliche Doppelgänger. Bei Unsicherheit macht man besser ein deutliches Foto zur späteren Bestimmung und lässt die Pflanze in Ruhe dort wachsen, wo sie steht.

Sich auf die Landschaft einzulassen bedeutet nicht unbedingt, den höchsten Berg so schnell wie möglich zu erklimmen. Wenn sich das nächste Mal die Gelegenheit ergibt, eine Wanderpause einzulegen und sich auf eine der Bänke entlang der Nagelfluhkette zu setzen, lohnt es sich, die dort wachsenden Pflanzen bewusst wahrzunehmen und ein paar davon mit nach Hause zu nehmen.

Autor: Redaktion