Alpinmagazin

Klettern im Wilden Kaiser - auf Dülfers Spuren

Das Kletter-Paradies Wilder Kaiser bietet Touren en masse. Ein Gebiet, das wir euch zusammen mit der Bergschule Blue Mountain Spirit vorstellen möchten.

Klettern im Kaisergebirge

Die Auswahl der Kletterrouten im Wilden Kaiser reicht von der kurzen, technisch leichten und gut abgesicherten Tour bis hin zu den langen, anspruchsvollen, alpinen Routen. Klassiker oder Modetour. Tagestour oder Lebensaufgabe! Hier verbrachten viele der Besten Kletterer ihrer Zeit Tage und Wochen, um die steilen Fluchten und Wände zu begehen. Sie bestiegen Gipfel mit furchteinflößenden Namen: Totenkirchl und Fleischbank sind nur zwei von vielen. Letzterer Berg erhielt den Namen durch die frühere Jagdmethode. Man trieb Wild, hier vor allem Gämsen, von West nach Ost, um sie so über die Ostwand zum Absturz zu bringen. Eben jene Ostwand ist es durch die einige der extremsten Führen gelegt wurden. Klettern auf den Dülfers Spuren Die beiden Münchner Hans Dülfer und Werner Schaarschmidt durchstiegen dieses abweisende 800 m breite und bis zu 350 m hohe Bollwerk (mit Fleischbankpfeiler) am 15. Juni 1912.

Dülfer verwendete dafür den Seilzugquergang, welcher heute noch in diesem Superklassiker  gerne zum Einsatz kommt. Hans Dülfer hinterließ uns noch etliche tolle Routen sowohl im „Koasa“, wie er liebevoll bei den Einheimischen Kletterern genannt wird, als auch in vielen anderen Wänden und Gebirgsstöcken ehe er am 15.Juni 1915, also genau drei Jahre nach dieser historischen Erstbegehung, in der Lorettoschlacht bei Arras in Frankreich fiel.

"Auf den Spuren von Hans Dülfer" ist auch das Motto der Bergschule Blue Mountain Spirit für ein Kletterwochenende im Kaisergebirge. Am ersten Tag geht es von Griesenau auf der Nordseite Richtung Stripsenjochhaus. Das restliches Gepäck wird mit der Materialseilbahn zur Hütte transportiert während wir mit der Kletterausrüstung bepackt und den Blick fest auf die bereits sichtbaren Wände vorher in Richtung Ellmauer Tor abbiegen. Noch frisch und ausgeruht nehmen wir einen Abkürzer über die Rampe unterhalb des Fleischbankpfeiler. Mit einigen Stellen bis UIAA II werden wir gleich wach und sind konzentriert für unser Vorhaben. Der Ausstieg aus der kurzen Rampe erfolgt in unmittelbarer Nähe beim letzten Paukenschlag der im Kaiser für großes Aufsehen sorgte: „Des Kaisers neue Kleider“ von Stefan Glowacz. Nun steht man am Eggersteig und legt den Kopf in den Nacken, um diese Route von unten nach oben in ihrer Gesamtheit zu verfolgen. Die steile, überhängende und kompakte Ostseite beeindruckt bereits durch die Ansicht, geschweige denn mit ihren Routen.

Zum Glück steigen wir noch etwas die Steinerne Rinne hinauf, um so unter die Westwand des Predigtstuhls zu gelangen. Die Dülfer West am Predigtstuhl fordert bei zwei Stellen Schwierigkeiten bis UIAA IV+, beim Rest überwiegend III/III+. Somit eine ideale Einstiegsroute, um zum einen den Kaiserfels und zum anderen des Meisters Handarbeit kennen zu lernen. Dülfer fand hier eine sehr schöne Linie, die entlang natürlicher Schwachstellen durch die Wand leitet. Kamine und Risse wechseln mit kurzen plattigen Querungen und einem engen Durchschlupf. Solche Kletterpassagen waren zur damaligen Zeit nicht nur kletterbar, sondern vor allem auch absicherbar - wenn zum Teil auch nur spärlich. Die Belohnung ist der Hauptgipfel des Predigstuhl (2115 m). Die Aussicht reicht vom Alpenvorland bis zu den gletscherbedeckten Bergen am Alpenhauptkamm und bringt tolle Einblicke auf unsere zweite Tour, die Dülfer an der Fleischbank Ostwand.

Am zweiten Tag steigen wir früh wieder die Steinerne Rinne auf. Beim Zustieg kann man nochmals den Verlauf studieren. Der eigentliche Einstieg ist mit zwei Querungs-Seillängen rasch erreicht und ab hier beginnen die Klettermeter. Nun heißt es: „Zupacken!“ V+ und V/A0 fordern die ersten beiden Längen, ehe es eine kurze Verschnaufpause gibt. Es folgt bald jener berühmte Seilzugquergang von Dülfer. Diese Art der Querung wurde früher öfter verwendet, um für damalige Verhältnisse unüberwindliche Aufschwünge zu umgehen und dadurch wieder in kletterbares Gelände zu gelangen. Heute führt man an stabilen und gut gesetzten Bohrhaken diesen fallenden Quergang durch. Dabei kommt ein respektvolles Gefühl auf, wenn man den Tiefblick über die Platte in die Steinerne Rinne wagt. Wenn man bedenkt mit welcher Ausrüstung die Erstbegeher diese Stelle und die gesamte Wand meisterten…unglaublich! Eine Handvoll Haken, Hanfseile, Körpersicherung, schwere Bergstiefel und keine Kenntnisse über die Details abgesehen von der vorherigen Erkundung durch das Fernglas. Jetzt folgen Genussmeter und beeindruckende Aus- und Tiefblicke. Die Schlüsselstellen sind die sogenannten Ausstiegsrisse. Frei kletternd muss man hier den satten VI Grad beherrschen. Mit der Routen-Sanierung wurden jedoch an einigen Stellen Bohrhaken gesetzt und die schweren Passagen können technisch (A0) geklettert werden und erfordern somit nur noch V/A0.

Der Weiterweg über den Nordgrat ist leichte Kletterei im Wechsel mit Gehgelände. Am Fleischbank Gipfel bleibt dann Zeit die Tour Revue passieren zu lassen. Anschließend heißt es an gut eingerichteten Ständen abzuseilen. Beim Abstieg wandern die Blicke nochmals rechts und links hinauf zu den Wänden und man weiß: “Liaba Koasa, I`ll be back!“

Programm-Infos: Mit Auf den Spuren von Hans Dülfer und Klettern im Wilden Kaiser – Gourmettage bietet Blue Mountain Spirit – Bergschule zwei Kletter-Wochenenden mit Bergführer im Wilden Kaiser.

Route Predigstuhl Hauptgipfel / Westwand "Dülfer"
Route Fleischbank Ostwand "Dülfer"

UIAA 4+ (zwei Stellen), Rest überwiegend 3/3+, 6 Seillängen, kurzer Gipfelgrat, Zu- und Abstieg bis 2, Abseilpiste eingerichtet, alpine Absicherung, Standplätze und wenige Zwischenhaken gebohrt, Friends und Keile nötig, für die Zwischensicherung muss größtenteils selbst gesorgt werden, schöne Kletterei an festem Fels.

UIAA 6/5A0 an mehreren Stellen, meist 5 und leichter, 14 Seillängen und ca. 1/2 h Weiterweg über den Nordgrat, Abseilpiste eingerichtet, Standplätze und einige Zwischenhahken gebohrt, viele alte "Rostgurken" (Normalhaken), sonst alpine Absicherung, Friends und Keile nötig, absoluter Klassiker mit abwechslungsreicher Kletterei an durchgehend festem Fels wobei einige Stellen ziemlich abgespeckt sind.

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