Touren

Österreichischer Schinder (1809 m)

Dieses leuchtend weiße, steile Nordkar, von Felszacken gekrönt, sucht in den Bayerischen Voralpen seines Gleichen. Von Nah und Fern ist es ein Anblick, der jeden Skibergsteiger herausfordert. Kurze, rassige und anspruchsvolle Frühjahrstour.
bild
Schwierigkeit
Kondition
Gefahrenpotenzial
Landschaft
Frequentierung
Skitour | Bayern | Bayerische Voralpen | Tegernsee

Tourensteckbrief Schinder, Österreichischer

Anfahrt: A8 München/Salzburg bis Holzkirchen. Zum Tegernsee und nach Rottach Egern. Nun links ab nach Enterrottach (Schild „Bergbahn Sutten“). Über die Mautstraße zur Monialm und auf gleicher Straße weiter Richtung Forsthaus Valepp. Etwa einen Kilometer davor findet man einen kleinen Parkplatz gegenüber einer Bushaltestelle. (Hinweisschild: Schinder.)
Wichtiger Hinweis: Die Straße zum Ausgangspunkt wird erst im Frühling geöffnet. Informationen über die Dauer der Sperre bei der Gemeinde Rottach Egern unter Telefon +49 / 8022 / 67 13-0.

Ausgangspunkt: Besagter Parkplatz (920 m) etwa einen Kilometer vor dem Forsthaus Valepp. Achtung – nicht verwechseln mit dem Ausgangspunkt unmittelbar am Zusammenfluß von Roter und Weißer Valepp (ebenfalls Schild Schinder). Sollte die Tour im Winter - also noch vor Öffnung der Straße - begangen werden, muss der beschrieben Ausgangspunkt zu Fuß (mit Ski) über den Anfahrtsweg, oder besser von der Spitzingseite (Albert Link Hütte) her gemacht werden.

Route: Vom Ausgangspunkt über den Wiesenhang oberhalb des Parkplatzes zu einem Wirtschaftsweg und auf diesem an der Schlagalm vorbei. Immer weiter auf dem Weg, um einen Rücken herum und dann durch den Wald in den Ahornboden. Bis hierher folgt man genau dem Sommerweg. Vom Ahornboden genau auf das Kar zu, dann an einer Stufe links vorbei in den Karboden und jetzt immer steiler im Zick-Zack-Stil aufwärts. Ab dem sogenannten Schindertor, einem im Sommer höhlenartigen Durchschlupf, wird es sehr steil. Das Kar ist hier bereits von den aufschießenden Felszacken eingerahmt. Nach schneereichen Wintern ist das Tor (ca. 4 Meter hoch) meist völlig eingeschneit, so daß es kaum mehr erkennbar ist. Dann lohnt es sich die Ski auch die letzten Meter mit hinauf in die Scharte zu nehmen. Ansonsten errichtet man hier das Skidepot. Nun – wie gesagt – sehr steil zur Scharte (Deutsch-Österreichische Grenze).
Zu Fuß traversiert man auf der Südseite eben und unschwierig (oft schon ziemlich ausgeapert) entlang des Sommersteiges Richtung Osten bis sich (deutlich) eine steile Rinne zwischen Latschen und Felsen hindurch zum Kamm eröffnet. Im Sommer findet man hier ein Drahtseil, das im Frühling jedoch noch meist unterm Schnee begraben liegt. Mit etwas Trittsicherheit stapft man aber ohne Weiteres und problemlos durch diese Rinne empor zum Grat. Nun einfach über den breiten, jedoch meist stark überwächteten Gratrücken zum Gipfel mit Kreuz (1809m) und Grenzstein.
Alternative: Selten - bei im Frühjahr außergewöhnlich hoher Schneelage - kann man auch bis zum Gipfel mit Ski aufsteigen. Dann traversiert man an der beschriebenen Aufstiegsrinne (Sommerweg) vorbei weiter Richtung Osten bis sich eine flachere Rinne mit Latschenbewuchs (daher Hohe Schneelage erforderlich) öffnet. Über sie zum Kamm und nach rechts über ihn zum Gipfel.

Abfahrt: Wie Aufstieg.

Alternative: Eine noch steilere Variante gibt es im Kar rechts haltend Richtung Bayerischer Schinder. Sie ist nicht nur wegen ihrer Steilheit, sondern insbesondere auch wegen ihrer mehr ostseitigen Exposition lawinengefährdeter. Von früh weg scheint hier die Sonne rein und so ist ein noch zeitigerer Aufbruch erforderlich.

Charakter / Schwierigkeit: Diese kurze, jedoch rassige Tour verlangt gute und sichere Schneeverhältnisse (am besten Firn) damit sie wirklich Spaß macht. Sie fordert sicheres Steigen und Abfahren in zum Teil ziemlich steilem Gelände (35 bis 40 Grad). Die Schwierigkeit des Anstieges vom Schindertor hinauf in die Scharte hängt sehr stark von den Verhältnissen ab. Bei perfekten Verhältnissen kann man sogar mit Ski ansteigen, schauen jedoch die Felsen heraus, oder sind sie gar vereist, ist die sehr steile Stufe anspruchsvoll, manchmal auch heikel. Der Schinder ist eine Modetour geworden - nicht umsonst, denn es ist eine der schönsten und anspruchsvollsten Touren in den Bayerischen Voralpen. Früh aufbrechen!

Lawinengefahr: Hoch (man muß hier einfach warten, bis der Schnee paßt; siehe beste Jahreszeit)

Exposition: Nord, Nordost

Aufstiegszeit: 2,5 Stunden

Tourdaten: 900 Höhenmeter

Beste Jahreszeit: April und Mai (Diese ehemals reine Frühjahrstour wird heute manchmal auch bei absolut gesetzten Schneeverhältnissen schon früher im Jahr unternommen. Achtung, die Straße zum Ausgangspunkt ist meist erst ab Ostern befahrbar!)

Stützpunkt: keiner

Hinweis: Der Österreichische Schinder wird auch Trausnitzberg genannt.

Karte: AV-Karte BY15, Mangfallgebirge Mitte, 1:25.000. Oder Kompass Blatt 8, Tegernsee, 1:50.000. Oder Tegernsee / Schliersee und Umgebung des Bayerischen Landesvermessungsamtes, 1:25 000.
Alle erhältlich in unserem Wanderkarten-Shop.

Autor: Bernhard Ziegler

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