Alpinmagazin

Wandern & Surfen in Cornwall

Wer den vom Atlantik umtosten South West Cost-Path in ganzer Länge erwandert, benötigt gute fünf Wochen. Anstatt alle 38 Etappen am Stück zu meistern ist es für einen aktiven Cornwall-Urlaub am besten, sich die schönsten Teilstücke als Tageswanderungen heraus zu picken. Schließlich ergattert man so die spektakulärsten Blicke der Steilküste und kommt immer wieder an wunderbaren Buchten vorbei, was weitere Sportmöglichkeiten bietet: Auf traumhaften Stränden finden Anfänger gerade im September ideale Wellen, um das Surfen auszuprobieren. Sowohl die Kurse als auch die Leihgebühren sind erstaunlich günstig.

Cornwallzoom

Manchmal sind selbst für Alpin-Journalisten Gezeiten wichtiger als Gehzeiten. Und der Tidenhub ist heute auf meiner Seite. Die Flut überspült jetzt am Vormittag den gesamten Sandstrand des wunderschönen Sennen Cove. Surfen wäre wegen der Steine etwas zu gefährlich. So kann ich selbst meinen großen Sohn Simon zu einer Wanderung überreden. Freilich mit dem Versprechen rechtzeitig zum Niedrigwasser wieder zurück zu sein. Mit nur einem Tagesrucksack und Leichtwanderschuhen ziehen wir zu viert los in Richtung „Lands End“. Seit der letzten Eiszeit trotzt die berühmte Südwestspitze Großbritanniens den wildesten Atlantik-Stürmen. Nach einem kurzen Aufstieg vom Strand geht es auch schon entlang der Steilküste in Richtung Süden. Angesichts der schwindelerregend zum Meer abstürzenden Flanken kommt von Beginn an fast ein gewisses Grat-Touren Feeling auf. Zumindest wenn man nahe der Abbruchkante entlang wandert. Küsten-Einsamkeit dürfen wir jetzt im August, wo auch in England Schulferien sind auf diesem besonders beliebten Abschnitt des South West Coast Path freilich nicht erwarten. 

Corwall Küste-Tripzoom

Der quasi endlose Küsten-Trip ist mit 1014 Kilometern der längste offizielle Fernwanderweg in Großbritannien und führt von Minehead in Somerset entlang der Küsten von Devon und Cornwall bis nach South Haven Point in Dorset. Als ursprünglicher Weg der Küstenwache verläuft der South West Coast Path meist direkt an der Küste entlang, weswegen durch die stete Abfolge von Buchten und Steilküsten viele, viele Höhenmeter zusammenkommen. In der Summe sollen sie angeblich einer vierfachen Everest-Besteigung gleichkommen. So hoch wollen wir freilich nicht hinauf. Vielmehr am Lands End Hotel mit seinen Reisebus-Ausflüglern möglichst schnell weiter. Wenige hundert Meter später können wir fast wieder alleine den grandiosen Küstenpfad genießen. Wanderkarte oder Führer haben wir übrigens nicht mit dabei. Wozu auch? Liegt das Meer auf der rechten Seite ist klar, dass wir genau richtig sind, um den entlegenen Nanjizal Beach zu erreichen. Dort verbindet die schmale, hohe Grotte „Song of the sea cave“ eine türkisfarbene, kleine Lagune mit der weißen Gischt der Atlantik-Wellen. Tatsächlich schwimmen zwei hartgesottenen Engländer dort hindurch. Wir alpinen Landratten bevorzugen hingegen schöne Granit-Klettereinlagen, um an die vorderste Felsspitze zu gelangen.

Cornwall Surfenzoom

Zurück in Sennen passt das Timing haargenau, um den erst am Vortag gebuchten Surf-Kurs zu erwischen. Das Wasser hat laut Lehrerin grimmige 14°C. Was die Frage „Mit wetsuite oder ohne?“ überflüssig werden lässt. Auch wenn Simon die lesson eigentlich nicht mehr nötig hätte, macht er zusammen mit seinem kleinen Bruder Joris und mir mit. Schließlich ist es grundsätzlich eine gute Idee sich von Fachleuten tückische Strömungen und die zum Surfen besten Bereiche der jeweiligen Strände zeigen zu lassen. Nach etwas Theorie und Aufwärmspielen am Strand geht´s auch schon ab in die Wellen. Und nach ein paar gescheiterten Versuchen stehen Joris und ich unsere ersten Weißwasserwellen, während Simon sich natürlich nur für „echte“ green waves interessiert. Stolz und glücklich kommen wir nach zwei Stunden ziemlich durchgespült aus dem Wasser. Und es kommt noch besser. An unserer Campingplatz-Wiese, die ein Bauer im Sommer betreibt, stehen wir mit unserem Bus fast direkt an der Steilküste und können einen wahrhaft magischen Sonnenuntergang genießen. Spätestens jetzt weiß ich, dass sich die weite Anreise nach Cornwall gelohnt hat und dass in den kommenden Tagen jeder von uns auf seine Kosten kommen wird. Schließlich liegen zwischen Sennen und Croyde 150 Kilometer Traumküste vor uns, auf der sich ideale Surfstrände und spektakuläre Küstenwanderungen miteinander abwechseln.

Infos kompakt

Anreise

Am besten über Aachen und Brüssel zu den Fährhäfen Dünnkirchen oder Calais. Nach Meinung des Autors ist die Überfahrt viel schöner als der Eurotunnel, da man so auf die weißen Kreidefelsen von Dover zufährt (zur Buchungmöglichkeit). Von Dover aus dann über die M25, M3, A303 und A30 nach Sennen/ Lands End. Von hier aus entlang der Küste Richtung Nordosten nach Bude. Nur zum Beispiel: Die Strecke München – Lands End beträgt stolze 1600 Kilometer… aber es lohnt sich!t.

Beste Reisezeit

Von den Temperaturen sind Juli und August her am besten. Allerdings sind dann die Strände und vor allem deren (immer gebührenpflichtigen) Parkplätze ab dem späten Vormittag überfüllt. Deshalb wird von Insidern der September sehr empfohlen und auch der Oktober ist vor allem in Sachen Wandern in Cornwall noch eine gute Reisezeit.

Die durchschnittlichen Maximaltemperaturen betragen im August 20°C und pendeln im September und Oktober zwischen 15°C und 18°C.

Im August muss man mit durchschnittlich 9 Regentagen, im Oktober mit bis zu 12 Regentagen pro Monat rechnen. Die Wassertemperaturen erreichen Ende August mit 18°C ihren Maximalwert, weswegen sich nur Hartgesottene ohne Wetsuites in die Welle stürzen.

Wandern South-West Cost Path

Alle Etappen sind auf dieser Website auf deutsch beschrieben und auf einer Karte gut nachvollziehbar. Für den Küstenbereich zwischen Bude und Lands End sind die Etappen 10 bis 23 relevant. Besonders schön sind die Abschnitte am Lands Ende (23) nördlich von Gwithian (19) bei den Bedruthan Steps (16) und zwischen Polztheath und St Isaac (14). 

Bei den jeweiligen Etappen sind auch Unterkunfts- und Einkehrmöglichkeiten, sowie Busverbindungen angegeben. 

Führer (deutsch): A. Blumenau „Wanderführer South West Coast Path - Teil 2: An der Küste entlang durch Cornwall: Von Padstow bis Lizard Point“ epubli Führer (englisch) P. Dillon „The South West Coast Path: From Minehead to South Haven Point“ Cicerone press Ltd. Karten: Adventure Series „South West Coast Path Part 3: South Cornwall“ 1:25000. GEOGraphers

Surfen

An der Küste zwischen Lands End (im Südwesten) und Croyde (im Nordosten) gibt es um die 20 schöne Surfstrände. Anfänger suchen am besten Strände auf, an denen Surfkurse angeboten werden und Surfbretter sowie Wetsuites ausgeliehen werden können. Solche sind Sennen, Gwithian, Newquay, Polztheath, Bude und Croyde.  

Kosten: Anfängerkurse (2,5 bis 3 Std.) kosten etwa 30 Pfund, wobei das Equipement inbegriffen ist. Wagt man sich in den Folgetagen alleine in die Wellen, betragen die Leihgebühren für ein Surfboard und ein Wetsuite pro Tag um 20 bis 25 Pfund. In den Sommermonaten sind die vergleichsweise niedrigen Wellen für Anfänger ideal. 

Infos: Gute Hintergrundinformationen und Tipps findet man auf dieser deutschsprachigen Website.

Unterkünfte & Camping

Entlang der Küste gibt es zahlreiche Campingplätze, wobei die komfortableren meist etwas vom Meer entfernt sind. Die Kosten sind günstiger als beispielsweise in Italien. So zahlte der Autor mit seiner vierköpfigen Familie auf gut ausgestatteten Plätzen teilweise nur 30 Pfund pro Nacht (Recherche von 2019). 

Zudem gibt es sehr schöne, direkt an der Küste gelegene ganz einfache Campingplätze, die meist nur mit Holzschildern von den Straßen aus zu finden sind. Hier gibt es meist nur Toiletten. Dafür kann man sich auf freien Wiesen hinstellen, wo man will. Diese haben allerdings oft nur im August geöffnet. 

Ansonsten findet man in allen Küstenorten nette Pensionen die bed & breakfast anbieten. 

Bonus-Track: Dartmoor Nationalpark

Auf dem Weg in Richtung Küste sollte man unbedingt noch zwei Wandertage im direkt auf der Anfahrtsstrecke gelegenen Dartmoor einplanen. Im Gegensatz zum sonst landwirtschaftlich sehr erschlossenen und fast gänzlich von Hecken und Mauern eingefriedeten Inland, bieten die freien Hochmoorflächen traumhafte Wanderungen zu beeindruckenden Granitfelsen. Diese sogenannten Tors sind schon von weitem aus sichtbar und oft im weglosen Gelände zu erreichen. 

Ein guter Stützpunkt ist Princetown, wo man im interessanten Nationalpark Besucherzentrum auch Wanderkarten kaufen kann und Tipps zu Wanderungen bekommt. In dem Gebäude hat sich übrigens Sir Arthur Conan Doyle zur der Kriminalgeschichte „Der Hund von Baskerville“ inspirieren lassen, die im manchmal auch unheimlichen Dartmoor spielt. 

Eine sehr schöne Rundtour führt nordwestlich von Princetown vom Four Winds Car Park über den Great Mis Tor und den Ros Tor zum The Dartmoor Inn, von wo es über eine steinzeitliche Menhir Reihe zurück zum Ausgangspunkt geht. Sehr beeindruckend sind zudem die Granit-Türme der Haytor Rocks im Osten des Nationalparks.

Aktuelles aus dem Bergjournal

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    Piste hoch statt Beine hoch: DYNAFIT organisiert auch in diesem Winter wieder die beliebte Veranstaltungsreihe „DYNAFIT Speedfit Nights“. An ausgewählten Terminen lädt der Skitourenspezialist in zahlreichen Skigebieten des Alpenraums zur Pistentour nach Feierabend.

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    Ortovox setzt auf regionale Produktion in den heimischen Alpen. Die CLASSIC Produkte von Ortovox sind genau nach dieser Philosophie gefertigt: Die hochwertige Schweizer Wolle wird im Lechtal zu feinem Garn gesponnen und in der Steiermark verstrickt. Uralte Maschinen behandeln die Wolle so behutsam, dass funktionale und einzigartige Produkte entstehen.

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    Eine gemütliche Fahrt im schattigen Bergwald, ein flowiger Trail über sattgrüne Wiesen, eine rasante Abfahrt ins Tal, zwischendurch eine Einkehr auf einer urigen Alpe und danach ein Sprung in einen blauen Allgäuer See: Der Rother Bike Guide »Allgäuer Alpen« stellt 40 Bike-Highlights vor, die jedem Moutainbiker das Herz höher schlagen lassen.

  • Verlosung - Drip Coffee Bags von emilo

    Zusammen mit der emilo SPEZIALITÄTENRÖSTEREI verlosen wir wöchentlich eine riesige Packung Kaffee für unterwegs (mit 96 Drip Coffe Bags). Der Wilde Filser von emilo zeigt euch wie einfach man sich outdoor (oder im Büro) einen frischen Kaffee aufbrühen kann und wie er Heimat und Genuss verbindet.

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Bild des Monats

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Beschreibung: Warum es in den Bayerischen Voralpen so schön ist? Weil der Blick von den kleinen Bergen zu den großen zielt. Weil man vom Gemütlich-Beschaulichen zum schwer Beeindruckenden blickt - wie hier zum Großvenediger...
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Benutzer: blovest

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