Wilder Freiger und Rotgrat

    • Wilder Freiger und Rotgrat

      Gipfel und Höhe: Wilder Freiger (3418m) und Rotgratspitze (3096m)

      Gebirge: Stubaier Alpen.

      Art der Tour: hochalpine Bergtour, T4

      Datum der Tour: 19.09.20

      Ausgangspunkt: PP Grawaalm (kostenlos)

      Tourenverhältnisse: Genial, anders kann man es nicht sagen! Ich bin heute mal wieder auf meinen Lieblingsberg gegangen und bin auf's neue absolut begeistert. Statt wie sonst über die Nürnberger bin ich über die Sulzenauhütte aufgestiegen, was mindestens genauso schön ist; ab der Seescharte ist es ja eh die gleiche Route. Vom Freiger wollte ich dann eigentlich zum Becherhaus und da Mittagessen, aber das hat leider schon geschlossen, wie ich am Gipfel erfuhr. Warum weiß ich nicht. So habe ich umdisponiert und bin über den Rotgrat zur gleichnamigen Spitze (sehr schön und deutlich einfacher als es aussieht). Von dort ging's dann runter bis fast zur Nürnberger Hütte und wieder hoch zur Seescharte, um zurück ins Sulzenautal zu kommen. Grundsätzlich ist es natürlich besser, gleich den Weg über die Nürnberger zu nehmen, wenn man den Rotgrat in eine Rundtour mit einbezieht, aber wie gesagt, habe ich da ja kurzfristig improvisiert, weil mir der Tag heute zu schön war, um einfach wieder auf dem gleichen Weg abzusteigen.


      Gefahreneinschätzung: Das ist der eigentliche Grund für meinen Eintrag, da mir heute auffiel, dass viele Leute "overequipet" - wenn es Wort gibt - unterwegs sind bzw.den Freiger für schwieriger halten als er ist. So kamen mir einige Leute mit Pickel und Steigeisen (am Rucksack) entgegen, die auf meine Frage, ob sie von der Müllerhütte kämen, antworteten, dass sie über den Normalweg von der Nürnberger aufgestiegen seien. Andere wiederum wollten nur auf das Gamsspitzl anstatt auf den Freiger, weil sie diesen für eine reine Gletschertour hielten - hier konnte ich einigen die unnötige Angst nehmen, sodass sie nun den Freiger und nicht das doch recht unscheinbare Gamsspitzl im Tourenbuch stehen haben.
      Es ist nämlich so, dass auf dem Normalweg von der Nürnberger bzw. Sulzenauhütte vor wenigen Jahren im oberen Teil am Kamm Versicherungen angebracht wurden, die eine Gletscherbegehung obsolet machen. In den meisten Tourenführern (Rother und Kompass) steht es aber noch anders.
      Generell hat der Freiger 3 gletscherfreie Aufstiegsrouten:
      1. Den eben genannten Normalweg
      2. Den oben erwähnten Rotgrat
      3. Die Route aus dem Ridnauntal über das Becherhaus

      Diese Routen können aber natürlich je nach Verhältnissen auch Steigeisen und Pickel verlangen, speziell im Juli und Anfang August!

      2 Routen führen über Gletscher :
      Lübecker Weg (wird später in der Saison auch ohne Seil begangen, heute zB auch)

      Schöpf-Weg (gefährlichste Route, eher im Frühjahr als Skitour gehen)


      Exposition der Route:

      Prognose:

      Sonstiges: Gerade als ich im Aufstieg in der Seescharte ankam, gellte ein Schuss durch die Luft. Jäger hatten einen Steinbock erschossen - anders kann man es nicht nennen, denn die Tiere fliehen ja nicht. Die unmittelbar in der Nähe stehenden Artgenossen des getöteten Tieres liefen nicht einmal nach dem Todesschuss davon!!! Auf Nachfrage hieß es, man müsse ja den Bestand regulieren und schieße nur die alten Tiere ab.
      Was für ein Schwachsinn!!!!
      1. Würde man den Bestand regulieren müssen, sollte man gebährfähige Steingeißen abschießen, da diese für die Anzahl der Nachkommen entscheidend sind.
      2. Je älter der Bock, desto größer die Hörner, also die Trophäe - aus meiner Sicht das eigentliche Motiv der "bewaffneten Naturfreunde".
      3. Die alten und schwachen Tiere würden den Winter doch eh nicht überstehen - kann der Mensch der Natur denn nie ihren Lauf lassen?? Auch Geier brauchen Nahrung...
      4. Und am wichtigsten: Wo ist denn bitte der Schaden, wenn es "zu viele" - wer legt das denn bitte fest - Steinböcke gibt?
      Diese Tiere leben immer, auch im Winter, ganz oben in den Bergen, sie knabbern keine jungen Bäume an, sie nehmen keinem Nutzvieh auch nur einen Grashalm weg, sie sind nicht aggressiv, sie haben keine Nahrungskonkurrenten, denen sie schaden könnten.

      Anmerkung: Ich möchte mit diesem Statement wirklich nur die Jagd auf Steinböcke kritisieren, nicht die Jagd im Allgemeinen. Im Gegensatz zur Jagd auf Rot-und Gamswild, bei der das Fleisch ja verwertet wird, ist das bei der Jagd auf (alte) Steinböcke mit ihrem zähen Fleisch nicht der Fall. Gegenüber der Massentierhaltung würde ich Fleisch aus einer Jagd immer vorziehen.



      Bilder / GPS-Track: