Free Solo - Russisch Roulette vor laufender Kamera

      Free Solo - Russisch Roulette vor laufender Kamera

      Was mein ihr dazu? 10

      Das Ergebnis ist nur für Teilnehmer sichtbar.

      In unserem Alpinmagazin haben wir euch ja auf den Film Free Solo hingewiesen - siehe hier Free Solo.

      Der Film Free Solo über die freie und ungesicherte Begehung des El Capitan (Yosemite Nationalpark) von Alex Honnold wurde als Bester Dokumentarfilm 2019 mit einem Oscar ausgezeichnet. Der Kletterer stieg 2017 als erster Mensch seilfrei über die 1000-Meter-Route 'Freerider' (5.12d oder UIAA 9/9+) in einer Zeit von 3 Stunden und 56 Minuten.

      Wir haben hier schon die Frage gestellt, ob es moralisch vertretbar ist sich bei einer derartigen Aktion filmen zu lassen und das dann in die Kinos zu bringen.

      Stefan Glowacz war bei der Preview in München und hat gesagt, dass das einem Russischen Roulette gleichkommt. Wir in der Tourentipp Redaktion diskutieren den Film kontrovers. Einerseits ist es eine unglaublich sportliche und psychische Leistung. Andererseits wird hier ganz einfach Sensationsgier befriedigt, indem ein Spitzensportler mit seinem Lebern spielt.

      Bleiben wir beim Beispiel Russisches Roulette: Würden wir es gut finden, wenn ein Filmteam ein paar Jungs, die den absoluten Kick suchen, dabei filmen würde wie sie Russisches Roulette in einer Garage spielen? Geht das nicht zu weit? (auch wenn es gut ausgeht...)
      Ich habe den Film nicht gesehen. Ich denke mir, man kann mit einem Film über solch ein Unterfangen komplett unterschiedliche Ansichten transportieren. Ganz sicher ist es möglich eine Sensationslustbefriedigung ala Red-Bull rüberzubringen.
      Es wäre aber auch durchaus denkbar, dass so ein Film sehr wohl die psychischen Hintergründe (und vielleicht auch Abgründe) eine solchen Unterfangens ausleuchtet, und es dem Betrachter ermöglicht da zwiegespalten rauszugehen. Ein solcher Film könnte zum Beispiel mit der Frage des Kletterers an den Filmemacher beginnen: "Hättest Du den Film auch ins Kino gebracht, wenn ich runtergefallen wäre?". Allein schon so ein Intro könnte die Red-Bull-Attitüde draußen halten.

      Von daher: ich habe ihn nicht gesehen, und natürlich ist das extreme Risiko da. Aber mit Russischem Roulett lässt sich das nicht vergleichen, weil es bei diesem keinerlei Training und keinerlei Vorbereitungsmöglichkeit und daher auch keine Möglichkeit der Selbsteinschätzung gibt. Beim Klettern gibt es aber all das durchaus.
      Bin bei dir, Bernhard, ich finde den ganzen Ansatz falsch. Ich konnte den Film auch nicht genießen und hab mich zunehmend geärgert.

      Honold unterstelle ich keinen Argwohn, sicher hat ihn die Szene und der Kommerz mit seinem außergewöhnlichen Talent "entdeckt" - aber die Schlüsselstellen haben doch ein Risiko in meinen Augen (wir reden über 9+ ohne Sicherung), das zu hoch ist. Muss das sein, damit die Sponsoren sich schmücken und noch mehr Kram verkaufen?

      Die Leistung ist sicherlich phänomenal, die Mondlandung des Freikletterns. Aber wie will der arme Mann das noch toppen? Und wer soll sich da noch abarbeiten?

      Wenn er schlau ist, lässt er diese Legende stehen - und hört mit "Solo" auf. Sonst wird ihm nicht so ein langes Leben beschieden sein. Steck und Lama sind leider auch umgekommen - und nicht mal bei Rekordversuchen, sondern im Schnee beim Zu- oder Abstieg.

      Ja, die Gefahr gehört zum Bergsteigen, aber um so mehr der Respekt vorm Risiko auch. Ich bin schon umgekehrt und stolz darauf.
    Diese Webseite verwendet Cookies. Durch die Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Zu den Datenschutzinformationen Schließen