Auf Tourenskiern von Sterzing nach Bozen: Eine 4 Tages-Skidurchquerung durch die Sarntaler Alpen

    • Auf Tourenskiern von Sterzing nach Bozen: Eine 4 Tages-Skidurchquerung durch die Sarntaler Alpen




      Vom 4.-7.2.2010 habe ich zusamen mit 4 Tourenspezln die Sarntaler Alpen durchquert und kann diese auch im Hochwinter bereits mögliche Tour nur wärmstens empfehlen. Ihr braucht 4 Tage Zeit, besser noch 1-2 Puffertage wenn Ihr den ein oder anderen Zusatzgipfel mitnehmen oder einen Kulturtag in Bolzano einlegen wollt.

      Charakter: Mittelschwere Skidurchquerung, bei bedachter Routenwahl auch bei kritischeren Verhälnissen möglich. Schöne Gipfeloptionen. Wir haben die Sarntaler Apen unterwegs sehr einsam erlebt. Lag sicher auch an den nicht optimalen Bedinungen und wie man uns gesagt hat sind die Südtiroler eher weniger auf Tourenskiern unterwegs. Aber das Schöne daran ist halt auch dass man selber Spuren anlegen kann/darf/muss. Hierfür wiederum Zeit einplanen, das ist natürlich auch mühsam.

      Literatur: Die Idee hatten meine Freunde Hanno und Christian über das Studium der Bruckmann-Skidurchquerungs-Bibel "Die schönsten Skidurchquerungen in den Alpen: 30 Touren zwischen Mont Blanc und Watzmann". Tour 22. Kurze, aber brauchbare Beschreibung der Tagesetappen. Trotzdem Kartenstudium unerlässlich. Die Zeitangaben sind knapp bemessen. Wirklich nur die reine Gehzeit, also auch wenn Ihr gute Touengeher seid, und ich denke wir waren keine langsame Gruppe, schlagts noch was drauf. Meine Angaben bei den Tagesetappen sind mit Pausen (Foto, An-Abfellen, Verpflastern, Essen, Trinken, Schaun) gerechnet.

      Karten: Tabacco-Wanderkarten 1:25 000 Blatt 38 und 40

      Unterkünfte, Essen, Trinken: Im Gegensatz zu anderen Durchquerungen nächtigt man in den Sarntaler Bergdörfern Pens, Durnwald und Reinwald. Pro Person müsst Ihr für Übernachtung, Halbpension und Getränke 50 Euro rechnen. Wir waren in Pens im Murrerhof, der einzige Reinfall auf der ganzen Tour her, die Adresse will ich auch gar nicht angeben. In Durnwald empfehle ich den Jägerhof: jaegerhof.org (Sauna). und in Reinwald den Thaler Paul, Reinswald 78, Tel 0039 0471 625103 - das beste Frühstück, alles sehr liebevoll, selbstgemachte Marmelade und ganz einfach gemütlich. Zum Abendessen geht Ihr in Reinswald am Besten zum Pizzaessen in die Bärnstube an der Talstation des Skigebietes.

      Anreise: Mit dem Auto oder Zug nach Sterzing. Dort am Banhof kostenlose Parkplätze. Ab München wenn alles gut geht ca. 2, 5 h. Mit dem Taxi weiter nach Egg. Taxi Walter Riederer, 0039 335 6276 758. Hat einen Transporter wo auch eine größere Gruppe mit Skiausrüstung Platz hat.

      1. Tag: Egg-Pens: Walter hat uns bis Egg gefahren, Ausgangspunkt war der Anfang der verschneiten und nicht mehr geräumten Passstraße hinauf zum Penser Joch. Wir sind ein Stück der Passstraße entlang und dann abgebogen zum ersten Gipfel dieser Tour, dem Zinseler, 2422 Meter. Den Ostgrat zum Gipfel zu Fuß, war recht abgeblasen. Danach Kamm-Skiwanderung mit den Gipfeln Hühnerspiel (2357m) und Gänsekragenspitze (2322m). Von der Gändekragenspitze Abfahrt nicht zum Penser Joch sondern direkt richtung Westen zur Penserjochstraße und weiter hinab bis Pens. Einkehr beim Gasthof Stern. Wenn man, so wie wir, außerhalb von Pens sein Quartier hat und kein Bus mehr fährt am besten mit dem Aster Karl telefonieren: 0039 0471 627132 (hat auch Zimmer, da würd ich auch das nächste mal nächtigen) und Transfer zum nächsten Quartier und ggf. zum Ausgangspunkt von Tag 2 vereinbaren. Wetter/Verhältnisse: sonnig, warm, kaum Wind, Lawinenstufe 2. Aber Bruchharsch, unschön zu fahren. Bei einem 3er würd ich von dieser Etappe abraten. Gehzeiten: Egg-Zinseler 3 h, bis zur Gänsekragenspitze 2 h (mit Pausen, An- und Auffellen), Abfahrt nach Pens 1 h.

      2. Tag: Pens-Durnholz: Vom Ortsteil Reifen aus den Kirchbach entlang hinauf zum Durnholzer Jöchl auf 2235 m - wollten wir, nur die Natur hat uns an diesem Tag wieder einmal gezeigt dass wir nur kleine Zwergerl sind. Ab 2100 meter war der Nebel so dicht dass wir uns entschlossen haben umzukehren. Von den Gipfeloptionen Schönjöchlspitz und Karnspitz ganz zu schweigen. Es hatte zudem Lawinenwarnstife 3, dann irgendwo abzufahren wo man die Steilheit des Gelände nur erahnen kann muss nicht sein. Also, denselben Weg abgefahren, dafür mit etwas Neuschnee und Pulverauflage, seh schön. Dann mit dem Linien-Bus weiter bis Durnholz, den Nachmittag haben wir dann doch noch sinnvoll gestaltet mit Pieps-Suche und LVS-Training. Dafür hat uns der Jägerhof mit einer Sauna, gutem Essen und Zirbenschnaps an diesem ungemütlichen Tag entschädigt. Gehzeit Pens bis kurz vorm Jöchl: 3 h, Abfahrt 45 Minuten.

      3. Tag: Durnholz-Reinwald: Heute war abermals eine vorsichtige Routenwahl angesagt bei starkem Wind, und kritischen Lawinenverhältnissen. Dafür relativ gute Sicht, wenn auch kaum Sonne. Dem Großalmtal entlang sind wir auf die Kassianspitze (2581m) aufgestiegen. Waren dafür mit Pausen 6 Stunden unterwegs, wir mussten die letzten 400 Höhenmeter bis zum Gipfelaufbau selber spuren, nachdem wir die sichere Variante über einen Bergrücken gewählt haben, wo wohl in diesem jahr noch niemand oder schon lange keiner mehr gegangen ist. Am Gipfel sehr zapfig, windig und kalt, kurz: nicht sehr einladend um lange zu rasten. Bruchharsch-Abfahrt nach Reinwald.

      4. Tag: Reinwald-Bozen: Letzter Tag, letztes Glück: Von Reinswald aus sind wir zum Totenkirchl aufgestiegen. Der Villander Berg stand außer Diskussion. Dieser Tag hatte Ähnlichkeit mit einer Antarktisexpedition - Nordföhn von seiner stürmischsten Seite. Ging letztendlich darum durchzukommen. Sind von Reinwald aus direkt zum Totenkirchl und den Rittner Bildstock zum Rittner Horn aufgestiegen. Waren allein hierfür 5 Stunden unterwegs. Dafür Sonne, klare Sicht und ein Traumpanorama vom Rittner Horn aus. Nach den Bruchharschtagen war es direkt angenehm eine Piste abzufahren. Mit Schlernsicht, was will man mehr. Endpunkt ist die Talstation Pemmern am Skigebiet Ritten. Von da aus um 14.40 mit dem Skibus nach Oberbozen, hier Einkehr im Gasthof Fink mit Panoramablick (von den Pastagerichten über Schlutzkrapfen und Knödeltris war alles sehr gut) und Abfahrt mit der Bahn direkt in die Stadt. 5 Fußminuten zum Banhof und zu jeder vollen Stunde mit dem Zug zurück nach Sterzing zum Auto oder mit dem Zug wohin auch immer.

      Danke an: Christian, Hanno, Sylvie und Klaus - GPS Infos folgen noch - und wenn Ihr noch Fragen zu dieser Tour habt einfach ein E-Mail an mich!

      Schöne Touren weiterin wünscht die Bille