Vom Scheffauer zum Sonneck über die Hackenköpfe

    • Vom Scheffauer zum Sonneck über die Hackenköpfe

      Gipfel und Höhe: Scheffauer (2111m), Hackenköpfe (ca. 2100-2150m), Sonneck (2260m)

      Gebirge: Wilder Kaiser

      Art der Tour: anspruchsvolle, recht lange Bergtour, T5-, max. II

      Datum der Tour: 10.07.2020

      Ausgangspunkt: Bärnstatt, 3 Euro (Wenn man anschließend noch im herrlichen Hintersteiner See baden will, dann in der Früh gleich am See parken, da man später erstens vermutlich dort keinen PP mehr bekommt und zweitens sonst evtl. zwei Mal eine Parkgebühr bezahlt.)

      Tourenverhältnisse: Perfekt. Auf dem normalen Südanstieg auf den Scheffauer. Die mittlerweile angegebene Gehzeit von 4 Stunden ist für die 1200 Höhenmeter meiner Meinung nach höchst übertrieben; vor ein paar Jahren stand auf dem Schild noch 3 Stunden und auch die wird man nicht unbedingt benötigen... Ein früher Aufbruch (zwischen 5 und 6) lohnt sich, denn wenn die Sonne es erst einmal über den Treffauer geschafft hat, wird besonders der untere Teil des Aufstiegs ein echter Glutofen. Nach dem Scheffauer, von dessen Gipfel es zugegeben schon noch recht weit zum Sonneck ausschaut, kommt mit der Überschreitung der Hackenköpfe der schönste und zugleich natürlich anspruchsvollste Teil der Route. Man geht in den Sattel vor dem Gipfel zurück und steigt (unbeschildert, nicht markiert, nur ganz leichte Trittspuren) über einen grasigen Buckel in Richtung der Hackenköpfe. In einer Mini-Scharte wird sogleich die Schlüsselstelle der Tour (II) erreicht. Erst einmal mag man sich hier unsicher sein, wie und ob es überhaupt weitergeht, aber wenn man nach rechts oben schaut, sieht man einen alten, schwarzen Haken und steigt zu diesem auf (gute Griffe - zwar von unten nicht sofort sichtbar, aber vorhanden). Hat man diese Stelle überwunden, kann man sich sicher sein, dass es schwerer nicht mehr wird. Wenn doch, hat man sich verstiegen. Der weitere, durchaus verwinkelte Routenverlauf ist sehr gut mit vielen roten Punkten und Steinmännern markiert und wartet noch mit einigen leichten, kurzen Kletterstellen (meist I, manchmal II-) auf, bis der grüne Rücken des Wiesberg erreicht wird. Hier könnte man bereits nach rechts über den Sonneck-Normalweg Richtung Kaiser Hochalm absteigen, was gerade bei drohender Wetterverschlechterung/Gewitter eine wichtige Option ist. Sonst geht man einfach weiter über die Kopfkraxn zum Sonneck (nach der Kopfkraxn kurzer versicherter Steilabstieg). Vom Sonneck wieder zur zuvor beschriebenen Abzweigung und auf etwas ruppigem Weg hinab bis zum Ausgangspunkt.

      Gefahreneinschätzung: Meiner Meinung nach wird die Tour in manchen Berichten etwas übertrieben schwierig dargestellt. So hatte meine heutige Begleiterin nach Lektüre einiger Beschreibungen doch Bedenken, obwohl wir auch schon deutlich schwierigere Sachen gemacht haben (die von mir letztens beschriebene Tour auf die Ehrwalder Sonnenspitze ist zum Beispiel sicherlich eine Klasse höher einzustufen). Dennoch handelt es sich natürlich um eine lange (ca. 7-9h), anspruchsvolle Bergtour, die in ihrem Kernbereich (Hackenköpfe) völlig ungesichert ist und gute Kondition, Schwindelfreiheit und absolute Trittsicherheit verlangt. Zudem möchte ich den Tipp geben, wirklich permanent auf die Markierungen zu achten, da es unzählige Möglichkeiten für Verhauer gibt - ich spreche da aus Erfahrung, da ich die Tour heute zum 5. Mal gemacht habe. Oft scheint der weitere Wegverlauf einfach logisch und dann steht man auf einem Band, das plötzlich aufhört, und muss zurück. Ging mir bei meiner ersten Tour vor einigen Jahren zumindestens so.

      Exposition der Route: fast immer Süd

      Prognose: Nach dem Regen morgen wird es erfahrungsgemäß sehr schnell wieder trocken.

      Sonstiges: Wir waren heute ab dem Scheffauer völlig allein unterwegs; auch an Wochenenden wird die Tour meiner Erfahrung nach nur ganz wenig frequentiert - ich habe bei 5 Begehungen, davon 3 an Wochenenden, tatsächlich zwischen Scheffauer und Wiesberg noch nie jemanden getroffen. Und es ist sicher sinnvoll die Route in der beschriebenen Richtung zu gehen, da dann alle "schwierigen" Kraxelstellen im Aufstieg zu bewältigen sind und man gleich am Anfang merkt, ob man den Anforderungen gewachsen ist (von der anderen Seite aus kommt die erste etwas knifflige Passage erst nach etwa einer Stunde).