Alpinmagazin

Die Lowe Alpine Story

Die Jungs von Lowe Alpine brauchten eine bessere Ausrüstung für ihre Abenteuer – also haben sie sich eine gemacht. Eine Bergsteiger-verrrückte Familie schreibt Alpingeschichte und setzt Zeichen am Outdoormarkt. Die Story zum 50. Firmenjubiläum von Lowe Alpine.

Lowe Papa mit seinen Kindern beim Kletternzoom

„Das, was wir in diesen Jahren unserer frühen Kindheit gelernt haben – unser Können und Urteilsvermögen – wurde zum Fundament für alles, was uns bei Freizeit, Arbeit und Lebensstil wichtig war.“ (Mike Lowe)

Genauso ist es, wenn man sich die Firmengeschichte von Lowe Alpine mal etwas genauer ansieht. Die Lowe-Brüder durften nämlich schon als Kinder mit ihrem Vater wilde Klettertouren im Grand Teton Nationalpark unternehmen.

Jeff Lowe war gar der jüngste Mensch, der seinerzeit den Exum-Grat am Grand Teton (in den Rocky Mountains) bezwungen hat – mit 7 Jahren! Und diese Tour führt immerhin auf einen 4198 m hohen Berg.

Die beiden Lowe-Brüder kamen also aus einer sehr ambitionierten Bergsteigerfamilie mit insgesamt acht Kindern. Sie haben das Bergsteigen von Kindesbeinen auf gelernt, waren sehr talentiert und wurden zu Spitzenbergsteigern. Nicht zufällig hat Jeff Lowe mit seiner Route Metanoia an der Eiger Nordwand Alpingeschichte geschrieben. Der US-Top-Alpinist und Pionier hat die Linie 1991 im Alleingang über neun Tage erstbegangen. Eine Hammertour, die lange jeder Wiederholung trotzte. Erst 2016 konnte die Route von einem Spitzenteam aus den Schweizern Roger Schäli, Stephan Siegrist und dem Deutschen Thomas Huber wiederholt werden. Thomas Huber sagte damals: „Wahnsinn, was Jeff Lowe damals geleistet hat!"

Greg Lowe Ama  Dablamzoom

Talent, Leidenschaft, Kreativität und Know How – das sind auch die Basics von Lowe Alpine. Greg war (neben seiner alpinen Leidenschaft) schon immer der Bastler und Designer in der Familie. Schon als Kind belegte er bei einem landesweiten Forschungswettbewerb in Utah den zweiten Platz. Nachdem die Lowe-Jungs damals immer anspruchsvollere Routen unternehmen wollten, überlegte Greg wie man die Ausrüstung dafür verbessern könnte. Denn mit einer besseren Ausrüstung könnte man nicht nur ans damalige Limit gehen, sondern auch darüber hinaus.

Ascent Superlightzoom

Und genau dieses Streben nach Innovation, nach dem Optimum, das war damals und ist auch heute noch der Antrieb für die Produktion von alpiner Ausrüstung im Hause Lowe Alpine. Dieses „Gen“ zeigt sich aktuell, wenn Lowe Alpine zum Beispiel einen der leichtesten Kletterrucksäcke der Welt auf den Markt bringt, den Ascent Superlight, aber auch bei vielen anderen Produkten der Firma Lowe Alpine.


Copyright: Alle historischen Bilder von jeffloweclimber.com

 
 

Anlässlich des 50jährigen Firmenjubiläums hat Jeff Lowe ein Interview gegeben.

Jeff Lowezoom

Haben Sie sich jemals erträumt, dass das Unternehmen 50 Jahre später immer noch existieren würde?
Jeff: Ehrlich gesagt habe ich mir nie Gedanken darüber gemacht. Ich war einfach viel zu sehr damit beschäftigt, zu klettern, Dinge zu entwerfen und einfach mein Leben zu genießen.

Welche Ziele hatten Sie sich ganz zu Beginn für das Unternehmen gesteckt?
Jeff: Wir wollten die praktischste, hochwertigste Ausrüstung für die Klettertouren unserer Träume kreieren.

Gibt es eine Route/Expedition, auf bzw. bei der Sie Lowe Alpine-Rucksäcke mit dabei hatten, die Sie als entscheidenden Augenblick bei der Entstehung des Unternehmens bezeichnen würden und die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?
Jeff: Die Westflanke des Grand Teton im Winter 1972.

Woran erinnern Sie sich, als Sie den ersten Expedition Rucksack getestet haben?
Jeff: Dass ich 1969 im Gebirgszug Wind Rivers jede Menge Gepäck dabei hatte. Wie alles getragen wurde, machte den Unterschied.

Welche Werte waren Ihnen bei der Gründung von Lowe Alpine Systems am wichtigsten?
Jeff: Kreativität, Innovation, Qualität, Umweltschutz und ein leichter alpiner Kletterstil unter Wahrung ethischer Prinzipien jetzt und in der Zukunft.

Was hat Sie motiviert, sich dem Klettersport derart intensiv zu widmen?
Jeff: Als ich mit 7 Jahren gemeinsam mit meinem Vater und meinem Bruder Greg auf den Grand Teton kletterte, kam ich mit dem Schrecken davon. Über viele Jahre hinweg war ich der jüngste Mensch, der jemals den Grand bestiegen hatte. Das Klettern hat mir viel Spaß gemacht, selbst der furchteinflößende Schritt über den Broadway-Vorsprung. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich, oben angekommen, den Horizont und die Krümmung der Erde sehen konnte. Beim Abstieg stieß ich mir bei einem Sturz den Kopf an. Ich blutete stark, was mir Angst einjagte. Noch Jahre danach hatte ich immer wieder Albträume, weswegen ich mir die Zeit mit anderen Sportarten wie Judo, Gymnastik, hier und da Spiele in der Baseballliga und vor allem Skirennen vertrieb. Mit 12 hielt mich dann nichts mehr vom Klettern zurück, sodass ich alle anderen Sportarten mit Ausnahme von Skirennen im Winter als Jugendlicher aufgab.

Was sind Ihre frühesten Erinnerungen ans Klettern?
Jeff: Bouldern an Pete’s Rock in Salt Lake City mit meinem Vater, meinen Brüdern und Mitgliedern des Wasatch Mountain Club geführt von Harold Goodro. Harold hielt 1949 den Rekord für die schwierigste Kletterei in den USA in Bergstiefeln. Drei Jahrzehnte später stand Goodro’s Wall unter der Kategorie 5.10c im Kletterführer. Harold hat uns Jungs immer stark angespornt. Ja und 1957 an den School Room Cliffs hinter unserem Haus in Ogden in Utah mit meinem Vater und meinen Brüdern. Mann, war ich aufgeregt, als ich das erste Mal mit ihnen mitgehen durfte.

Können Sie beschreiben, woran Sie sich bei diesen frühen Kletterpartien u. a. auf der Teton-Bergkette mit Ihren Brüdern und Ihrem Vater erinnern?
Jeff: Mich faszinierten der starke Landschaftswechsel und der sich mit zunehmender Höhe ausdünnende Kiefernwald bis in alpine Höhen mit Moränen und Schnee, Murmeltieren in dickem Fellmantel und der Klang plätschernder Gebirgsbäche und die schrillen Schreie der Tiere. Zerklüftete Gipfel waren unser Anreiz; alpines Bergglühen und eine Dose Bohnen in Tomatensoße im Hochlager, die Milchstraße und sternenklare, kalte Nächte mit Milliarden von Sternen. Ein Schluck Wasser aus der Feldflasche und eine Banane, wenn es früh morgens noch vor Sonnenaufgang losging. Für mich war alles ein großes Abenteuer, das mich von Anfang an fesselte.

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